Als die Kunst den Rahmen sprengte – Das Museum Ludwig und die Kölner Philharmonie
Peter (1925-1996) und Irene Ludwig (1927-2010) unterzeichneten 1976 mit der Stadt Köln einen Schenkungsvertrag für 350 Werke moderner Kunst. Im Gegenzug musste die Stadt Köln ein eigenes „Museum Ludwig“ errichten.
Durch die Kölner Architekten Peter Busmann (*1933) und Godfrid Haberer (*1941) wird ein Neubau 1986 als ein Doppelmuseum auch für das Wallraf-Richartz-Museum eröffnet. Die Nähe zum Dom wird in der Architektur berücksichtig und aufgegriffen. Im Museum befinden sich zahlreiche Panoramafenster, zwei Dachterrassen und zwischen den beiden Museumsbauten gewährt der Heinrich-Böll-Platz eine Sichtachse auf den Domchor. Der Heinrich-Böll-Platz trennt den größeren Ausstellungsbereich und die Werkstätten voneinander und ermöglicht den freien Blick zum Domchor. Unter dem Platz befindet sich unterirdisch in zwei Etagen die Kölner Philharmonie, hineingebaut in den Domhügel und angelegt wie ein Amphitheater.
Die Fassade bestehend aus roten Backsteinen und Titanzink. Der Bau ist kleinteilig aufgegliedert und durch Staffelungen an die umliegende Bebauung angepasst. Die Sheddächer nehmen mit ihrer charakteristischen Wellenform das Bild des Wassers des Rheins auf und bieten im Innern indirekte Beleuchtung.
Die Sammlung des Museums umfasst die wichtigsten Positionen der Kunst des 20. Jhs. und der Gegenwartskunst inklusive aktuellen Arbeiten. Aus der Sammlung Peter und Irene Ludwigs werden Werke aus der Zeit nach 1900 ausgestellt, wie zahlreiche ausgesprochen qualitätvolle Arbeiten der Russischen Avantgarde und die umfassendste Sammlung amerikanischer Pop Art außerhalb der USA.
Ein weiterer Grundstock des Museums legte der Kölner Jurist Dr. Josef Haubrich (1889-1961) bereits nach dem II. Weltkrieg: 1946, schenkte er der Stadt Köln seine Kollektion von Werken des Expressionismus und weiteren Vertretern der Klassischen Moderne. Auch weitere Schenkungen und Ankäufe ab den 1950-Jahren erweitern den Bestand.
Durch die stetig wachsende Sammlung und eine umfangreiche Stiftung von 90 Picasso Werken aus dem Besitz von Peter und Irene Ludwig 1994 herrschte nun Platzmangel und so beschließt die Stadt einen Neubau für das Wallraf-Richartz-Museum. Die Wiedereröffnung des Museum Ludwig 2001 nahm Irene Ludwig zum Anlass, 774 weitere Arbeiten Picassos zu stiften. Damit verfügt das Museum Ludwig nach Barcelona und Paris über die drittgrößte Picasso-Sammlung weltweit.
Die Sammlung wird seit der Wiedereröffnung durch zeitgenössische Kunst aus verschiedenen Gattungen stetig erweitert.
Massenmodell für den Neubau des Wallraf-Richartz-Museum
HIGHLIGHT
Die erste Ehrenbürgerin der Stadt: Professor Dr. h. c. Peter Ludwig wurde 1975 und Professorin Dr. h. c. mult. Irene Ludwig (als erste Ehrenbürgerin) 1995 die Würde der bis heute nur 24 Ehrenbürger*Innen der Stadt verliehen.
Hier ruhen sie in Frieden: Die Grabstätte von Peter und Irene Ludwig befindet sich in Sankt Aldegund (Rheinland-Pfalz).
Hier nahm eine Sammlerleidenschaft ihren Anfang: Eine erste Ausstellung der Werke von Josef Haupricht wurde bereits 1946 in der alten Kölner Universität gezeigt. Diese Schau sah Peter Ludwig als junger Student und inspirierte ihn zu seiner eigenen Sammeltätigkeit.
Kunst- und Museumsbibliothek sowie Kinosaal: Im Obergeschoss auf der Westseite befindet sich die Kunst- und Museumsbibliothek. Wie der Kinosaal, der durch das Filmforum NRW bespielt wird, hat die Bibliothek einen eigenen Eingang.
Testbau für das Museum Ludwig in Köln-Volkhoven: 1979 wurde von den Architekten Busmann und Haberer ein Testbau für das Museum Ludwig errichtet um Lichtführung, Deckenkonstruktion, Außenhaut und Bodenbeläge zu erproben. Nach Fertigstellung des eigentlichen Museumbaus blieb die Simultanhalle in Köln-Volkhoven erhalten als Projektraum für zeitgenössische Kunst. Seit 2018 ist das Gebäude wegen statischer Bedenken für Ausstellungen geschlossen.
direkte Umgebung
Kölner Dom
Römisch-Germanisches Museum
Kölner Hauptbahnhof
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Bildname: rba_mfL010164_5
Peter Busmann (Entwerfer), Godfrid Haberer (zugeschrieben) (Entwerfer), Bongard (1995), Stadtmodellausschnitt, Modell für den Neubau des Wallraf-Richartz-Museum und Museum Ludwig am Dom
© Kölnisches Stadtmuseum, Köln, Graphische Sammlung, RBA 2026 -