Wo heute Maria verehrt wird, wurden einst römische Götter angehimmelt – St. Maria im Kapitol

Die heutige Kirche St. Maria im Kapitol befindet sich an der Stelle des römischen Kapitolstempels. Die Anlage hier in Köln war den Kapitolstempeln in Rom und in weiteren Städten nachempfunden und gehört im römischen Reich zu den größeren Tempelbauten. Der Tempelbezirk für die kapitolinischen Trias, Jupiter, Juno und Minerva umfasst annähernd 6500 m² und war über eine Treppenanlage vom Rheinufer zu erreichen. Teile der Fundamente seiner dreiteiligen Cella sind erhalten.

Der Legende nach wurde in den Tempelbezirk eine erste Kirche hineingebaut und das Wohnhaus des fränkischen Hausmeiers Pippin des Mittleren. Offenbar handelt es sich zunächst um eine kleine Eigenkirche, in der die Gründerin dann auch bestattet und fortan verehrt wird. Als Gründerin wird die Plektrudis, die Frau Pippins des Mittleren benannt, ihre Grabplatte befindet sich im Langhaus. Möglicherweise ist hier bereits ein erstes Frauenkonvent angeschlossen.

In den folgenden Jahrhunderten erhielt das Damenkonvent großzügige Zuwendungen u.a. durch Erzbischof Bruno. Ein Neubau wurde schließlich von Äptissin Ida, Schwester Erzbischofs Herimann II. und Enkelin Kaiser Ottos II. und Theophanu um 1040 veranlasst. Die Basilika folgt unglaublicherweise den genauen Maßen des Grundrisses der Geburtskirche in Bethlehem und ist die älteste Dreikonchenanlage im Rheinland.

Ab 1288 wird sie Stadtkirche und erhält in den folgenden Jahrhunderten reiche Stiftungen und Anbauten durch verschiedenste Oberbürgermeister der Stadt Köln. Wichtige Teile der reichen Ausstattung wie die Bildertür von um 1060, der Lettner von 1520/25 und zahlreiche bedeutende Glasmalereien sind noch erhalten.

Nach den Zerstörungen des II. Weltkriegs wurde die Dreikonchenanlage in den Stilformen des 11. und 12. Jhs. wiedererrichtet und die kirchengeschichtlich bedeutenden Kapellen und Anbauten rekonstruiert. Auch im Außenbereich kann ein großer Teil der gewachsenen Struktur im Bereich der alten Immunität betrachtet werden. Zudem ist die Anlage des Kreuzganges noch erhalten.

St. Maria im Kapitol um 1900

Highlights

Äpfel für das Jesuskind: In der nördlichen Konche wird der Prämonstratensermönch Hl. Hermann Josef verehrt. Einer Legende nach soll Hermann Josef als Schulkind einer Figur in St. Maria im Kapitol seinen Apfel geschenkt haben, da er der Meinung war, dass das Jesuskind so hungrig aussah. Dies wird in Köln mit der kleinen Statue im Typus der sogenannten Eleusa (oder Glykophilusa) in Verbindung gebracht, vor ihr findet man immer ein paar Äpfel.

Hier wurde Kirchenpolitik gemacht: Die Kirche hatte eine besondere Stellung in der Kirchenpolitik. Hier feierte der Erzbischof die erste Weihnachtsmesse, die zweite in St. Cäcilien, die dritte im Dom. Am Dreikönigstag zog der Rat in einer Prozession von hier zum Dom. Die offiziellen kirchlichen Feiern des Rates und die Exequien für Erzbischöfe, Kaiser und Bürgermeister fanden meist auch in St. Maria im Kapitol statt.

Eine Kirche ohne Glockenturm: St. Maria im Kapitol besitzt keinen Glockenturm, aus diesem Grund wird der noch vorhandene Turm von der abgebrochenen Kirche Klein St. Martin weiterhin genutzt.

 
 
 

direkte Umgebung

Lichhof mit Dreikönigspforte

Römische Stadtmauer

Klein St. Martin

Weiter
Weiter

Als die Kunst den Rahmen sprengte – Das Museum Ludwig und die Kölner Philharmonie