Kölns gute Stube – Der Gürzenich

Dieses Gebäude hat bereits Einiges in seiner mehr als 570-jährigen Geschichte erlebt: Kaiserbesuche, Bankette und Maskenbälle. Neben diesen repräsentativen Funktionen war der Gürzenich vor allem eins: Warenlager und Kaufhaus.

Erbaut 1441-47 als bürgerlicher Repräsentationsbau vom Rat der Stadt Köln in unmittelbarer Nähe von Rathaus, Alter Markt und Heumarkt etablierte sich der Gürzenich als Zentrum des Kölner Fernhandels. Namensgeber war die Patrizierfamilie von Gürzenich, die im 13. Jh. im Besitz eines der Grundstücke war.

Die repräsentative Schauseite lag beim Gürzenich im Osten und damit Richtung Rhein. Wie auch bei den meisten der Kölner Kirchenbauten kann man die eindrucksvolle Schaufassade auf dem Rheinpanorama von Anton Woensam von 1571 gut erkennen.

Das Gebäude wurde für verschiedene Zwecke aufgeteilt: Erdgeschoss als Lagerhaus und Kaufhaus und das Obergeschoss für repräsentative Veranstaltungen – von Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Maximilian I. bis hin zu einen sechswöchigen Reichstag 1506.

Seit der Mitte des 19. Jhs. wird der Gürzenich rein als Veranstaltungsort genutzt, z.B. für Karnevalssitzungen oder Kongresse, somit verlor er die zentrale wirtschaftliche Bedeutung als Handelsort. Doch für die gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen wurden nun die Stimmen für eine Erweiterung laut, und so wurde unter Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner und Stadtbaumeister Julius Raschdorff 1855-57 die Lücke zwischen St. Alban und dem Altbau in neugotischem Stil geschlossen.

Während des II. Weltkriegs wurde der Gürzenich und der Anbau weitestgehend zerstört, und brannten aus, nur die Fassade blieb in voller Höhe stehen. In den 1950er Jahren wurde der Bau wieder aufgebaut, wobei man den Anbau allerdings abriss und einen neuen Anbau nach Plänen von Karl Band und Rudolf Schwarz verwirklichte.

Historische Aufnahme des Gürzenichs (Außenansicht)

Highlights

Tünnes und Schäl als Helfer für den Wiederaufbau – Um den Wiederaufbau des Gürzenich finanziell zu unterstützen, entwickelten engagierte Kölnerinnen und Kölner eine besondere Spendenaktion: Tünnes und Schäl sollten dabei als Sympathieträger dienen. Der Bildhauer Wolfgang Wallner entwarf Holzfiguren der beiden kölschen Originale, die anschließend von seinen Studierenden an den Kölner Werkschulen geschnitzt wurden. Gegen eine Spende konnten Bürgerinnen und Bürger Nägel in die Holzplastiken einschlagen und so einen Beitrag zum Wiederaufbau leisten.

Die Idee knüpfte an eine frühere Aktion Wallners an: Bereits 1915 hatte er den „Kölschen Boor en Iser“ geschaffen. Die vor dem Gürzenich aufgestellte Holzfigur ermöglichte es den Menschen ebenfalls, durch das Einschlagen von Nägeln Spenden zu leisten. Die Erlöse kamen damals Kriegsopfern, Hinterbliebenen und Waisen zugute.

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