Ein Ort der Stille im Getümmel – Gross St. Martin
Am Rheinufer ragt Groß St. Martin mit seinem markanten Turm über die Dächer der Altstadt. Seine vier Ecktürme rahmen den hohen Vierungsturm ein und zeichnen sich gegen den Himmel ab. Dieses stadtbildprägende Bauwerk war bereits in Kölner Veduten des Mittelalters nicht wegzudenken.
Doch ist besonders der massige und hohe Vierungsturm, der jüngste Bauteil der Kirche und stammt erst aus dem Beginn des 13. Jhs., wobei er erst im 15. Jh. die steile gotische Turmspitze erhielt. Nach einem verehrenden Brand in der Innenstadt im 12. Jh. wurde auch Groß St. Martin neuerbaut und erhielt die heutige Form mit einem noch etwas kleineren und achteckigen Vierungsturm. Die Planänderungen des Turms wurden nur möglich durch umfangreiche statische Veränderungen in den Gewölben und in einem zusätzlichen Strebewerk, die schon die Gotik in Frankreich erahnen lassen. Auch beim Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg wurden extra Stützwerke, diesmal aus Beton, im Turm verankert und so konnte 1985 die sehr stark zerstörte Kirche Groß St. Martin wiedereröffnet werden.
Doch wie kam es zu diesem ganz besonderen Standort inmitten des Marktviertels, zwischen Alter Markt und Fischmarkt?
Wie bei sehr vielen Bauten in Köln, steht auch Groß St. Martin auf römischen Vorgängerbauten. Diese sind besonders in der eigentlichen Größe des Bauwerks, der direkten Lage und auch Ausrichtung sichtbar: es handelt sich um eine römische Lagerhalle aus dem 1. Jh. Diese Lagerhalle, war Teil einer größeren Anlage, mit mehreren Basiliken, angrenzenden Gebäuden und sogar einem Schwimmbad. Standort ist eine Rheininsel vorgelagert vor der eigentlichen römischen Stadt Köln, die ganz praktisch aus gleichzeitig das Hafenbecken schützt, welches sich auf dem heutigen Alter Markt befand.
Wann genau die Lagerhalle zu einer Kirche umfunktioniert wurde ist immer noch nicht genau belegt, doch kann in den Ausgrabungen unter Groß St. Martin einige Vorgängerbauten besichtigt werden, die alle unterschiedlichen Fußbodenniveaus hatten.
Historische Darstellung von Groß St. Martin (1830)
Highlights
Wanderfalken – Den Ort der Stille wissen dabei nicht nur Besucher zu schätzen. 1992-99 brüteten Wanderfalken erfolgreich an der Kirche.
Populärer Heiliger – Gerade der heilige Martin ist ein sehr populärer Heiliger, besonders im Rheinland um den sich viele Legenden ranken. Ihm sind sogar zwei Kirchen in der Innenstadt Kölns geweiht. Klein St. Martin befindet sich ganz in der Nähe von St. Maria im Kapitol.
Mittelalter war bunt – Von der Mittelalterlichen Ausstattung ist nur noch sehr wenig erhalten, doch lässt sich daraus schließen, dass Groß St. Martin, eben wie die meisten mittelalterlichen Kirchen, reich ausgemalt und sehr bunt war.
Villeroy & Boch im Gotteshaus – Im Historismus wurde die Kirche komplett neu ausgestatten, mit einem umfangreichen und sehr hochwertigen Fußboden von Villeroy und Boch und einer umfangreichen Ausmalung der Wände und Gewölbe. Beim puristischen mittelalterlichen Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg, wurden die historistische Ausstattung glücklicherweise nicht entfernt, doch wurde sie auch nicht besonders geschützt und bewahrt. So ist sie besonders in der Zeit des Wiederaufbaus weiter beschädigt worden. Trotzdem handelt es sich um die umfangreichste erhaltene Ausstattung des Historismus in einer Kölner Kirche.
Nasse Füße inklusive – In der Ausgrabung drückt bei Hochwasser regelmäßig das Grundwasser hoch und bildet durchaus mal größere Pfützen.
Direkte Umgebung
Alter Markt
Fischmarkt
Kallendresser
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August Sander, Rheinfront von Sankt Martin bis Hängebrücke, 1938, Vintage print, 20,9 x 29,3 cm, rba_d006256 © Kölnisches Stadtmuseum, HAStK-RBAReproduktionsnummer: rba_d038756
Wilhelm oder Jakob Scheiner, Köln - Blick vom Ratsturm über Groß St. Martin und Deutz, 1874, Print, 16,6 x 21 cm © Kölnisches Stadtmuseum, Photographische Sammlung, rba 2026Reproduktionsnummer: rba_mf219162
Groß Sankt Martin, Nordseite, 1947 Print © Kölnisches Stadtmuseum, Photographische Sammlung, rba 2026Reproduktionsnummer: rba_c001342
Andrew Picken, Kölner Rheinufer bei Groß-Sankt-Martin, 1830, Druck Chromolithographie © Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung, rba 2026Reproduktionsnummer: rba_mfL011664_14
Anton Woensam, Große Ansicht von Köln, 1531, Druck, Holzschnitt, Ausschnitt, © Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung, rba 2026