das wiederentdeckte Machtzentrum des römischen Köln – Das Praetorium

Seit dem 16. Jahrhundert fanden sich immer wieder Reste des Praetoriums bei Baumaßnahmen rund um das Historische Rathaus, doch ist eine systematische Ausgrabung erst durch einen Zufall initiiert worden.

Durch die immensen Kriegszerstörungen im II. Weltkrieg im Stadtzentrum wurde auch der gänzlich zerstörte Spanische Bau abgerissen, er sollte für einen Neubau weichen. Bei den Ausschachtungsarbeiten stieß man auf gewaltige Mauerreste der Antike. In nur wenigen Monaten sollte die Ausgrabung beendet sein. Mit sehr viel Engagement überzeugte der leitende Archäologe Otto Doppelfeld den Rat der Stadt Köln einen Schutzbau, eine archäologische Krypta über den Fund zu realisieren und ihn somit zukünftig museal zu nutzen. Ein einzigartiges Bauvorhaben in Europa der Museumsbau des Praetoriums konnte 1956 vom Architekten Theodor Teichen realisiert werden.

Weitere kleine Grabungen fanden in den 1960er und 70er Jahren statt, seit 2007 laufen nun die Vorbereitung für das MiQua-Museum und das Praetorium wurde auf Zeit geschlossen.

Doch was ist das Praetorium überhaupt?

Das Praetorium ist der Palast des kaiserlichen römischen Statthalters. In den römischen Provinzen waren die großen Heeresverbände stationiert und die Statthalter übernahmen als höchste Vertreter der römischen Herrschaft die militärische Leitung.

Der Statthalterpalast war nicht nur Amtssitz für den gesamte Verwaltungsapparat der Provinz, inklusive Repräsentationort, sondern auch Wohnsitz und Wohnstätte der Leibgarde. So umfasst er zahlreiche Raumeinheiten mit ganz verschiedenen Funktionen, in Köln gehörte auch eine Thermenanlage zu den Funktionsbereichen des Palastes.

Bisher konnten nur Gebäudeteile im Osten die repräsentativen Räume und die Front am Rhein ergraben werden, die genaue Ausdehnung des Palastareals ist somit nicht bekannt. Doch konnten die Funde gut datiert werden in die Zeit zwischen dem ersten Jahrhundert bis zum frühen vierten Jahrhundert. Vermutlich wurde der Bau noch bis in die Karolingerzeit genutzt.

Die Palastareale im Westen dürften die eigentlichen Verwaltungsgebäude gewesen sein, für Archiv, Gericht, Verkehr, Straßenbau und der Wasserversorgung. Auch der Eingangsbereich ist nicht gesichert. Möglicherweise reichte der Palast bis zur heutigen Hohe Straße.

Im Süden des Praetoriums befindet sich eine imposante Apsis, die vermutlich Teil der in Quellen genannten Aula, dem Versammlungsort war. Weiter südlich sind Reste einer größeren Thermenanlage an der heutigen Straße Obenmarspforten auch ergraben worden, die das Areal abschließen.

 

Praetorium Köln

 
 
 

Was es zu entdecken gibt

Seit 2021 ist das Praetorium als Teil des Niedergermanischen Limes UNESCO-Welterbe.

Bei der Fertigstellung des MiQua Museums wird das Praetorium wieder eröffnet als Bestandteil des Rundgangs.

 
 

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