Wo Köln bis heute im Kreis schunkelt – Der FAstnachtsbrunnen
Der Fastnachtsbrunnen auf dem Gülichplatz erzählt vom Karneval als Lebensgefühl der Stadt — zwischen Feier, Satire und kölscher Selbstbehauptung.
Wer vor dem Brunnen steht, hört Köln beinahe sprechen. Ein Bauer stemmt sich breitbeinig gegen das Wasser, eine Marktfrau trägt ihre Körbe, ein Kind blickt nach oben, daneben tanzen Figuren, lachen, musizieren, trinken. Nichts an diesem Brunnen wirkt still. Genau das war beabsichtigt.
Der Fastnachtsbrunnen entstand 1913 nach Entwürfen des Bildhauers Georg Grasegger — mitten in einer Zeit, in der Köln sich rasant veränderte. Industrie, Wachstum, neue Bürgerlichkeit. Und gleichzeitig das Bedürfnis, etwas Eigenes festzuhalten: Sprache, Humor, Straßenleben, Karneval. Der Brunnen wurde zu einem steinernen Gegenentwurf gegen jede Form von preußischer Strenge. Nicht Heldengeschichte, sondern Alltag. Nicht Kaiser, sondern kölsche Typen.
Dass der Brunnen heute so selbstverständlich auf dem Gülichplatz steht, täuscht. Er war nie bloß Dekoration. Die Figuren erzählen von einer Stadt, die ihre Identität auf der Straße entwickelte — zwischen Markt, Wirtshaus und Fastnacht. Der Karneval erscheint hier nicht als Event, sondern als soziale Bühne: laut, widersprüchlich, manchmal derb und immer nah an den Menschen.
Rund um den Brunnen veränderte sich Köln immer wieder. Das Haus Neuerburg kam hinzu, der Krieg zerstörte große Teile der Umgebung, neue Fassaden entstanden. Der Brunnen blieb. Vielleicht, weil er etwas zeigt, das Köln bis heute nicht loslassen will: die Kunst, selbst ernste Zeiten mit Haltung, Witz und Gemeinschaft zu beantworten.
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Die Figuren des kölschen Alltags Keine Herrscher, keine Heiligen — der Brunnen zeigt Menschen aus dem städtischen Leben. Händlerinnen, Musikanten, Kinder und Karnevalsfiguren prägen das Bild.
Georg Graseggers Entwurf von 1913: Der Münchner Bildhauer schuf keinen repräsentativen Monumentalbrunnen, sondern eine bewegte Stadtszene. Genau darin liegt seine Besonderheit.
Der Gülichplatz als Bühne: Zwischen Haus Neuerburg, Innenstadt und Altstadt wirkt der Platz bis heute wie ein Übergang zwischen Geschäftsleben und Straßenkultur.
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Museum Miqua
Haus Neuerburg
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
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Bildcredits
Objekte: 1953 - Sander, 11,2.15, August Sander (17.11.1876 - 20.04.1964), Köln - Fastnachtsbrunnen am Gülichplatz (Mappe 11,2.15), 1930 – 1939
Bildrechte: Rheinisches Bildarchiv
Dateiname: rba_d006315.jpg