Vom Haus der Bürger zur Bühne der Stadtgeschichte – das Historische Rathaus Köln
Bereits 1149 ist an dieser Stelle ein „Haus der Bürger“ (domus civium inter judeos sita) belegt, wohlgewählt durch die Kölner Bürgerschaft im Judenviertel. Der eigentliche Eingang befand sich immer auf der Westseite in der Judengasse, mitten im Judenviertel. So konnte die Bürgerschaft den jeweiligen Erzbischof politisch beschneiden und „aussperren“.
Die politische Unabhängigkeit vom Erzbischof zeigt der Rat der Stadt Köln auch durch einen Neubau in gotischen Formen 1328 nach der Schlacht von Worringen (1288) an genau dieser Stelle. Die Innenausstattung im Steinwerk ist auch heute noch erhalten im Hansesaal. Hier wurde durch die Dombauhütte im Stile des Domchors ein wunderbares Maßwerk angefertigt wie auch ein reiches Figurenprogramm der „Neun Guten Helden“. Wie die meisten mittelalterlichen Räume, muss man sich auch den Hansesaal bunt ausgestaltet vorstellen, doch sind hier nur noch Fragmente im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud erhalten.
Nach dem Pogrom 1349 und der Zerstörung vieler Häuser im jüdischen Viertel wurde das Rathaus nochmals erweitert und so eine erste repräsentative Vorhalle und der Ratsturm 1407-14 erbaut. Leider ist im Baukörper der immer wieder aufkommende Antisemitismus durch Erweiterungsbauten sichtbar. So auch nach der Judenausweisung aus Köln (1423/24), hiernach wurde die Synagoge umgewidmet zur Ratskapelle St. Maria in Jerusalem. Sie wurde im 19. Jh. säkularisiert und nach ihrer Zerstörung im II. Weltkrieg abgerissen.
Im 16. Jh. folgten weitere Erweiterungen durch Ankauf von Privathäusern: eine neue Vorhalle im Stile der Renaissance, der Löwenhof, der Muschelsaal und weiße Saal, wie auch der Spanische Bau.
Nach schweren Zerstörungen im II. Weltkrieg wurde das Rathaus teilweise wieder aufgebaut, rekonstruiert und mit Neubauten ausgestattet. Zum Alter Markt hin bekam der Bau mehrere neue Gebäudeteile, darunter eine große neue Halle die „Piazzetta“ 1966-72 durch Karl Band und Eugen Weiler. Der Stahlbetonbau mit unterschiedlichen architektonischen Gliederungen wie einem großen Nordfenster mit Blick auf den Ratsturm, die Seite zum Alter Markt ist hingegen gegliedert mit Balkonen, außen mit bronzenen Brüstungselemente von Josef Rikus verziert.
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Zur Erstausstattung der Ratskapelle gehört der Flügelalter „Altar der Stadtpatrone*Innen“ von Stefan Lochner (1442), er befindet sich seit dem 19. Jh. im Kölner Dom.
In der Piazzetta schwebt das Kunstwerk „Wolke“ von Hann Trier, 1980.
In der Piazzetta befindet sich der „Kölsche Boor“ (ehemals Eigelsteintorburg).
Auf der Galerie der Piazzetta sind die Oberbürgermeister*Innen Porträts ausgestellt.
Im Hansesaal sind 3-D-Drucke der acht Propheten aufgestellt, die originale befinden sich im Museum Schnütgen.
In der Prophetenkammer befinden sich Repliken des Verbundbriefs, des großen und kleinen Schieds.
In der Prophetenkammer befindet sich ein Eingangsportal von Melchior von Rheid ursprünglich aus dem Zeughaus.
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Spanischer Bau
Miqua Forum
Erster Stolperstein
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fehlend
Bildcredits
Reproduktions-Nr: rba_072661
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, 1908
Rathaus, Vorhalle Außenansicht, Köln
Reproduktions-Nr: rba_mf167699
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Ritter, Lorenz, Ansicht des Kölner Rathauses von Südwesten, Kölnisches Stadtmuseum, Köln
Reproduktions-Nr: rba_d037777
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Rathaus Köln, Hansasaal, Nordwand, 1923
Reproduktions-Nr: rba_191764
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Blick auf Rathaus und Dom, um 1900
Reproduktions-Nr: rba_mf167736
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Rathaus, Kapelle, um 1870
Reproduktions-Nr: rba_mf219184
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Alter Markt, mit Rathaus und Jan-van-Werth-Brunnen, 1947