Von der Zigarette zum Bund fürs Leben
Die Geschichte des Haus Neuerburg — einst Firmensitz einer Kölner Zigarettendynastie, heute das stimmungsvollste Standesamt der Stadt.
Wer am Gülichplatz steht und die Fassade des Haus Neuerburg betrachtet, traut seinen Augen kaum: Zwei Gebäude? Nein, eines — aber mit Absicht so gebaut. Der Westflügel zitiert die Renaissance, der Südflügel das Barock. Architekt Emil Felix hat das so gewollt, als er den Bau zwischen 1921 und 1929 für Heinrich Neuerburg entwarf. Eine Baugruppe, die wirkt, als wäre sie schon immer da gewesen — und die zeitgenössisch als Meisterleistung gefeiert wurde.
Auftraggeber war Zigarettenfabrikant Heinrich Neuerburg, Kopf eines bemerkenswerten Familienunternehmens. Die Brüder hatten 1908 in Trier mit Zigaretten begonnen und nach dem Ersten Weltkrieg den Firmensitz nach Köln verlegt — den Umzug feierten sie mit der Einführung einer neuen Marke: Overstolz, benannt nach dem bedeutenden mittelalterlichen Kölner Patriziergeschlecht. Ende der Zwanziger Jahre war Haus Neuerburg die größte Zigarettenfabrik Deutschlands. Den Anspruch mauerten sie buchstäblich ein: Bildhauer Wolfgang Wallner verteilte Tabakpflanzen und Kölner Stadtmotive über die gesamte Fassade — wer genau hinsieht, entdeckt sie noch heute.
Das Unternehmen verschwand, das Gebäude blieb. Seit 1984 steht es unter Denkmalschutz, seit 2001 beherbergt es das Standesamt der Stadt Köln. Wer in Köln heiraten will, gibt sein Ja-Wort in Räumen, in denen einmal Zigarettengeschichte geschrieben wurde. Auch der Förderverein Romanische Kirchen Köln hat hier seinen Sitz — Zigarettengeschichte auf der einen Seite, Ja-Wort auf der anderen.
8 Zigarettenverpackungen Haus Neuerburg
Was es zu entdecken gibt
Die Doppelfassade — Renaissance trifft Barock — zwei Flügel, zwei Stile, bewusst als zwei Bürgerhäuser inszeniert. Am besten von der Platzmitte aus zu lesen.
Bauplastik von Wolfgang Wallner — Tabakpflanzen, Stadtmotive, kölnische Symbole in Kirchheimer Muschelkalk. Ein steinernes Firmenportrait über die gesamte Fassade.
Der Treppenturm im Innenhof — Eine Reminiszenz an die spätmittelalterlichen Patrizierhäuser Kölns, die im Zweiten Weltkrieg fast alle zerstört wurden.
Der Fastnachtsbrunnen — Georg Graseggers Bronzebrunnen stand schon 1913 auf dem Gülichplatz — älter als das Haus selbst. Felix hat Bau und Brunnen bewusst aufeinander abgestimmt.
Heiraten im Standesamt — Ja-Wort in historischen Räumen. Informationen: stadt-koeln.de/standesamt
direkte Umgebung
-
-
-
-
ProduktbeschreibunAlle über 18460 Stolpersteine in NRW sind mit historischen Bildern und Informationen dokumentiert auf der Webseite und App des WDRs unter www.Stolpersteine.wdr.de.