Wie Köln seine Unabhängigkeit sichtbar machte – Der Ratsturm

Die Westseite des Alter Markts wird vom Historischen Rathaus bestimmt. Es wurde im II. Weltkrieg größtenteils zerstört und zeigt heute teilweise originalgetreuen Wiederaufbau, erhaltene Gebäudeteile und völlig neugeschaffene Bauteile.

Der Ratsturm wurde fast gänzlich zerstört und rekonstruiert. Erbaut wurde der Ratsturm 1407-14 durch den Rat der Stadt Köln als Machtsymbol: 1396 entstand der Verbundbrief, das Zeugnis des Sieges der Gaffel über die Zünfte und einer politischen Neuordnung Kölns. Im Zuge der Befreiung und Unabhängikeit zum Erzbischof, ließ der Rat das Rathaus erweitern und den 61 m hohen Turm erbauen. Das höchste Gebäude in Köln. Federführend wurde der Turm unter Steinmetz und Ratsherr Jakob von Aldenmarkt erbaut.

Besonders ist nicht nur die Höhe, jedes der fünf Geschosse erhielt bereits bei der Planung eine Funktion, damit ist es der erste Turm, der nicht nur als Machtsymbol dient, sondern weitere Funktionen birgt.

Aufgrund seiner Höhe war das oberste Geschoss, die Kure, die Wachstube des Feuerwächters. Die weiteren Geschosse wurden als Archiv, Rentkammer, Senatssaal und Weinkeller genutzt.

Der Außenbau umfasste ursprünglich ein reiches Figurenprogramm aus 130 Steinskulpturen, die zum großen Teil im Krieg zerstört wurden. 1988-95 wurde der Ratsturm mit 124 Figuren neu bestückt: Im Erdgeschoss sind Herrscher wie Augustus, Agrippina oder Konstantin der Große zu sehen. Im 1.-3. Obergeschoss Persönlichkeiten, die sich um die Stadt verdient gemacht haben wie Reinhald von Dasseln, Johan Maria Farina, Karl Marx, Heinrich Böll oder Mathilde Franziska Anneke. Im 4. Geschoss wurden Kölner Heilige wie Ursula, Gereon oder auch die Drei Heiligen Könige aufgestellt. Ursprünglich sollten nur fünf Frauenskulpturen angefertigt werden, nach Protesten sind es heute 18. 2005 mussten alle Skulpturen erneuert werden, da der Stein bereits so stark angegriffen war.

Ein besonderer Innenraum ist der Senatssaal. Von der schlichten ursprünglichen hochgotischen Ausstattung ist nichts mehr erhalten, doch wurde er 1602 komplett umgestaltet. Diese hölzerne Ausstattung von Melchior von Rheidt konnte vor der Kriegszerstörung ausgelagert werden und befindet sich wieder im Senatssaal. Ein von Melchior von Rheidt gestaltetes Prunkportal leitet in den Raum hinein. Die Renaissance-Stuckdecke wurde rekonstruiert.

    • Platzjabeck: unter der Uhr befindet sich ein Gesicht. Die Legende geht auf Karl den Großen zurück: soviele Apfelstücke seine Söhne in ihre offenen Münder stecken konnten, soviel des Reiches bekommen sie – wer also im richtigen Moment den Mund aufmacht, bekommt auch etwas. Eine weitere Legende geht auf den Verbundbrief von 1396 zurück: Die Gaffeln Siegen über die Patrizier, die Kölner über den Erzbischof: gegenüber befindet sich der Markt und Groß St. Martin – wollte man nun die Zunge all jeden Rausstrecken um zu zeigen wer gesiegt hat?

    • Die erste Figur von Mathilde Franziska Anneke steht im Kölnischen Stadtmuseum.

    • Heute kann man in der alten Rentkammer heiraten.

    • In einem Geschoss des Turms befindet sich heute das Geschenkearchiv, viele Staatsgeschenke an Oberbürgermeister*Innen werden hier aufbewahrt.

    • Der Turm besitz ein Glockenspiel aus 48 bronzenen Glocken. Viermal täglich spielen sie eine Auswahl von 24 Musikstücken: 9 Uhr: "Die Gedanken sind frei“; 12 Uhr: "Tierkreis - 12 Melodien der Sternzeichen", Karlheinz Stockhausen.; 15 Uhr: Kölner Klassiker von Jupp Schmitz bis zu den Bläck Föös und um 18 Uhr spielen Kompositionen von Jacques Qffenbach.

  • Alter Markt

    Heumarkt

    Jan von Werth Brunnen

  • fehlend

Bildcredits
Reproduktions-Nr: rba_mf128976
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Toussyn, Johann, Ratsturm mit Rathaus (Westseite), Kölnisches Stadtmuseum, Köln

Reproduktions-Nr: rba_c019420
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, Meier, Wolfgang F.
Ratsturm, Cöln, 9 November 1830, Köln, 1830.11.09, Kölnisches Stadtmuseum, Köln, Inv.-Nr. HM 1956/135

Reproduktions-Nr: rba_224919
Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
Kreyenkamp, August, Trümmer mit dem Ratsturm im Hintergrund, Rheinisches Bildarchiv, Köln, Inv.-Nr. RBA 224 919, Köln

 

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