Immer wieder neu – Der Spanische Bau als Repräsentationsbau des Rathauses

Wie überall in der Innenstadt gibt es auch hier eine bewegte Geschichte, wir befinden uns im Judenviertel, direkt neben dem Historischen Rathaus. Bereits 1475 ist der Ankauf eines jüdischen Wohnhauses belegt, welches durch den Rat der Stadt Köln erworben und dann abgerissen wird. Der Neubau wird als Kanzlei und die Gewölbe zur Aufbewahrung der Schreinsbücher genutzt. Somit wird ein erstes Archiv der Grundbücher direkt neben dem Historischen Rathaus geschaffen.

Der heutige Bau aus der Nachkriegszeit besahs weitere Vorgängerbauten und einige Umbauten und Modernisierungen: 1607 wurde der sogenannte Neue Bau im Stil der Spätrenaissance geschaffen inklusive großem Sitzungssaal im Obergeschoss für die Reichskreisversammlungen. Seinen heutigen Namen erhielt der Bau allerdings erst im 19. Jh. und er geht auf ein Ereignis aus dem Jahr 1623 zurück: hier tagte die „Spanische Liga“, das katholische Militärbündnis im Dreißigjährigen Krieg.

Die Nutzungen waren weiter vielfältig: als Bürgermeistergericht, Wachgebäude, Verwaltungsgebäude und für festliche Empfänge.

In preußischer Zeit wurde der Bau zudem als Appelationshof (Oberlandesgericht) und später als Stadtarchiv genutzt. Im 19. Jh. erhielt der Bau zudem als Erweiterung eine Bibliothek. Durch Stadtbaumeister Hermann Weyer und Architekt Josef Crones wurde 1885/6 ein Neubau im Stil des Historismus erbaut, doch bereits 1920 wurde der Sitzungssaal neugeschaffen unter Hans Verbeek.

Im II. Weltkrieg wurde dieser Bau völlig zerstört. 1954-56 entstand der Neubau unter Theodor Teichen und Franz Löwenstein, der Ratssaal war 1957 bezugsfertig und wurde von da an vom Rat der Stadt Köln als Sitzungssaal genutzt.

Der im Grundriss eine 8 ergebende Bau wurde um 2 Innenhöfe angegliedert, wobei der Lichthof ursprünglich offen war.

Nicht nur in der Architektur, auch in der Ausstattung und künstlerischen Gestaltung zeigt sich der Bau repräsentativ in der Zeit der 1950er Jahre. Außen mit der Ziegelsteinfassade und großen Fenstern eher zurückhalten, empfängt am Eingang die Statue der Mutter Colonia von Seff Weidel als 4 m hohe Bronzefigur die Gäste im Stile einer Schutzmantelmadonna.

Das Foyer ist mit aufwändigen Säulen, die zu baumartigen Leuchten gestaltet werden strukturiert und einem Wandmosaik von Jürgen Hans Grümmer ausgestattet. Das Mosaik zeigt Europa, die gerade auf dem Rücken Zeus, der sich in einen Stier verwandelt hat, entführt wird. Um Europa herum sind die Hauptorte der abendländischen Kultur dargestellt: Rom, Aachen, Köln und Paris mit ihren repräsentativen Bauten. Als Symbol für Versöhnung und Frieden befinden sich um die Darstellungen noch Wein, Ähren und ein goldener Regenbogen.

In das erste Geschoss leitet eine geschwungene Treppe vorbei an dem Fenster „Chronik von Köln“ von Georg Meistermann mit einer Kartografie der Stadt Köln inklusive Orte, Namen und Daten.

Im Obergeschoss befindet sich der Ratssaal in der originalen Ausstattung der 1950er Jahre mit 84 Sitzen und 170 Tribünenplätzen. Die Saalwände sind mit japanischem Senholz getäfelt. Der Raum ist nach Norden ausgerichtet zum Dom hin mit 7 großen Fenstern.

 

Der spansiche Bau vor dem zweiten Weltkrieg

Highlights

Stadtmodell – Im überdachten Lichthof ist das moderne Stadtmodell frei zugänglich.

Innenausstattung – Eine vergleichbare Ausstattung wie im Ratssaal findet man auch im Sendesaal im WDR - Funkhaus.

 
 
 

Direkte Umgebung

Römische Wasserleitung

Praetorium

Miqua Museum

 
  • Bildcredits
    Reproduktions-Nr: rba_mf090269
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Rathaus, Wiederaufbauplan "Spanischer Bau", 1952, unbekannt, Köln

    Reproduktions-Nr: rba_mf631031
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Spanischer Bau, Fassade von 1615, unbekannt, Köln

    Reproduktions-Nr: rba_d036985
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Fischer, Peter, Rathaus mit Spanischen Bau,
    Kölnisches Stadtmuseum, Köln, Inv.-Nr. G 26463

    Rathausfassade zum Alter Markt
    Reproduktions-Nr: rba_042609
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Raschdorff, Julius Carl, Rathaus, Köln

    Reproduktions-Nr: rba_630882
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Raschdorff, Julius Carl, Rathaus, KölnOstfassade, Westseite Rathausplatz, Sitz des Dombauvereins

    Reproduktions-Nr: rba_043605
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Teichen, Theodor, Spanischer Bau, Köln nach der Umgestaltung von 1885/1886

    Reproduktions-Nr: rba_mf088525
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Teichen, Theodor, Spanischer Bau, Köln nach der Kriegszerstörung

    Reproduktions-Nr: rba_mf062904
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, nach 1945
    Teichen, Theodor, Spanischer Bau, Köln
    nach der Kriegszerstörung, Fassade an der Portalsgasse

    Reproduktions-Nr: rba_mf064981
    Bildnachweis: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv
    Teichen, Theodor, Spanischer Bau, Köln

Zurück
Zurück

Ein Mahnmal im Mahnmal – „Trauernde Eltern“ nach Käthe Kollwitz zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg

Weiter
Weiter

Wie Köln seine Unabhängigkeit sichtbar machte – Der Ratsturm